Die Heiligsprechung Bischof Bennos von Meißen (gest. um 1106) durch Papst Hadrian VI. 1523 in Rom fiel mitten in die Wirren der Reformation. Martin Luther veröffentlichte vor der feierlichen Erhebung der Gebeine des Heiligen die kontroverse Flugschrift »Widder den neuen Abgott und alten Teuffel, der zu Meißen soll erhoben werden«, in der er am Beispiel Bennos die kultische Heiligenverehrung anprangerte. Die drastische Auseinandersetzung mit dem Thema fand auch in der Musik der Zeit ihren Niederschlag und wurde nun zum ersten Mal auszugsweise auf dem Musikfestival »montalbâne« aufgeführt. Ein Gastartikel von Kuratorin Claudia Kunde.

Das »montalbâne« Festival gibt einzigartige Einblicke in die Musik der Lutherzeit

Vom 16. bis 18. Juni 2017 begrüßte das Musikfestival »montalbâne« Liebhaber mittelalterlicher Musik aus ganz Europa. Drei Tage waren internationale Solisten und Ensembles auf der malerischen Neuenburg und in der romanischen Stadtkirche St. Marien zu Freyburg zu Gast. Unter dem Motto »Tandaradei – Minnesang und Meistermusik: Glanzlichter des deutschen Mittelalter« war in diesem Jahr auch Musik der Lutherzeit zu hören.

Martin Luther nahm es mit Papst und Teufel auf, um seine Überzeugung zu verteidigen. Er wollte der Kirche ein menschlicheres Antlitz verleihen und stellte das biblische Wort in das Zentrum seiner Theologie. Dazu übersetzte er nicht nur die Bibel ins Deutsche, sondern auch die gregorianischen Gesänge der Liturgie, die bis dahin auf Latein verfasst waren. Alle Menschen sollten die Möglichkeit haben, diese zu singen und vor allem zu verstehen.

Auf dem Abschlusskonzert »Die Wittembergisch Nachtigall in Schweden« am 18. Juni 2017 war zu hören, wo Luther seine Wurzeln hatte. Lange Zeit war er selbst Mönch und mit der Gregorianik vertraut. Das unerhört Neue an seinen eigenen Chorälen war eine »deutsche« Melodik, die seine sprachlich akribisch formulierten und unerhört einprägsamen Texte kongenial erhöhte.

Benno kontra Martin Luther

Unter den Titeln »Ach Benno du vil heilger man – Ach Luter du vil bößer man« hat Hieronymus Emser, der Biograph des heiligen Benno, nach der Veröffentlichung der Flugschrift Martin Luthers gegen Bennos Erhebungsfeier ein dreistrophiges Preislied auf den heiligen Benno um ein dreistrophiges Spottlied auf Martin Luther erweitert. Die nahezu kämpferische Melodie folgt keinem bekannten »Ton« und scheint eigens für den Text komponiert worden zu sein. Damit trug Emser von Dresden aus zur Popularisierung des Konflikts um Benno und zur Verspottung von Martin Luther bei.

Mit anderen Mitteln reagierte der Theologe Doktor Hieronymus Dungersheim von Ochsenfurt, zeitweilig Rektor der Leipziger Universität, auf Luthers Flugschrift. Er ist es wohl, der das exklusiv in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden – überlieferte Benno-Offizium (um 1524) für den Meißner Dom komponierte. Als erklärter Luthergegner setzte er mit seiner hochrangigen Komposition gregorianischer Musik ein Zeichen für die kultische Heiligenverehrung und den heilig gesprochenen Meißner Bischof.

Das Preis- und Spottlied sowie Ausschnitte aus dem Benno-Offizium, die vom »montalbâne« Ensemble/Raumklang Goseck für die Sonderausstellung auf der Albrechtsburg Meissen erstmals vertont und aufgenommen worden sind, wurden nun im Rahmen des Abschlusskonzertes in der Freyburger Marienkirche von diesen Musikern live aufgeführt.

Weitere Informationen zum Musikfestival inklusive Festprogramm finden Sie hierMehr über Benno von Meißen, seine Heiligsprechung und seine Verehrung bis heute erfahren Sie bei einem Rundgang durch die Ausstellung  »Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger«, die noch bis zum 5. November auf der Albrechtsburg Meissen besichtigt werden kann. Nähere Informationen dazu bietet unsere Ausstellungsseite.

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Foto: Stefanie Stirnweiß