»EIN SCHATZ NICHT VON GOLD«

Exponate und Leihgeber

Freitag, 12. Mai 2017, bis Sonntag, 5. November 2017 | Albrechtsburg Meissen

Kostbare Exponate aus dem In- und Ausland

Zum ersten Mal präsentiert eine groß angelegte kulturhistorische Ausstellung am authentischen Ort – dem Burgberg Meißen mit Dom und Albrechtsburg – die symbolträchtige Rolle, die Bischof Benno und seine Heiligsprechung in den vergangenen Jahrhunderten spielten. Zur Reformationszeit zählten seine Reliquien zum kostbarsten Schatz der Meißner Bischofskirche. Im Gegensatz zum Großteil des mittelalterlichen Domschatzes konnte er in die Gegenwart gerettet werden. Darum gelten die Reliquien heute als ein Schatz, der mehr ist als Gold und Silber.

Skulpturen, Gemälde, geistliche Gewänder und prächtige Handschriften erzählen in der Ausstellung authentische Geschichten von Glanz, Glaube und Macht. Mit innovativen Medien und historischen Zeugnissen werden zugleich faszinierende Einblicke in die immateriellen Schätze der Kirche sowie in Alltag und Frömmigkeit der Zeit gegeben. Einen Einblick in einige der kostbaren Exponate, die Sie im Rahmen von »EIN SCHATZ NICHT VON GOLD. Benno von Meißen – Sachsens erster Heiliger« besichtigen können, geben wir Ihnen auf dieser Seite.

Ein Exemplar der Leihgeberbroschüre, die Ihnen bei Interesse auch bei Ihrem Ausstellungsbesuch ausgeliehen wird, können Sie sich hier anschauen. Darin finden Sie Erläuterungen zu allen Exponaten und den jeweiligen Leihgebern. Viel Spaß beim Stöbern!

Sogenannte Mitra Bischof Bennos (Bild 2)

Die Mitra Bennos wurde um 1270 dem neuen Hochgrab des Bischofs beigegeben. Die Verwendung grüner orientalischer Seide auf einer Unterlage aus
grobgewebtem Leinen erscheint für eine Mitra des Hochmittelalters ungewöhnlich. Auf die Bischofsmütze waren mit Goldfäden, Flussperlen und blauer Seide Ranken und lilienartige Blüten gestickt, die nur noch teilweise erhalten sind.

Die starken Beschädigungen der Mitra wurden schon bei der Übergabe nach München 1576 festgestellt. Anlässlich der Wiedereinweihung des Hochaltars der 1945 schwer zerstörten Dresdner Hofkirche gelangte die Mitra 1962 wieder nach Sachsen. Da der Sitz des Bistums damals Bautzen war, wurde sie zunächst dort aufbewahrt. Erst mit der Verlegung des Bistumssitzes nach Dresden 1980 wurde die Mitra schließlich in die Hofkirche überführt.

13. ODER 4. V. 14. JH., SPITZE 16. JH. | PROVENIENZ: MEISSEN, DOM – 1576–1580 IM BESITZ DER HERZÖGE VON BAYERN, MÜNCHEN, NEUE VESTE – 1580–1962 IM BESITZ DER LIEBFRAUENKIRCHE MÜNCHEN – 1962 DEM BISTUM MEISSEN GESCHENKT, ZUNÄCHST IN BAUTZEN AUFBEWAHRT – AB 1980 IN DER SS. TRINITATISKIRCHE DRESDEN | DRESDEN, BISTUM DRESDEN-MEISSEN.

Sogenannter Benno-Stab (Bild 3)

Als man Bischof Benno um 1270 in dem neu errichteten Grab im Mittelschiff des Meißner Domes beisetzte, legte man ihm vermutlich diesen Funeralstab, eine Nachbildung eines hölzernen Bischofsstabes, bei. Zur Gestaltung des Stabes nutzte man offenbar ein Walbeinmesser, dessen Dekor auf eine Entstehung im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts in Schottland hinweist.

Das Messer zeigt umfangreiche Benutzungsspuren und könnte bereits 1106 als Beigabe in das erste Grab Bennos gelegt worden sein. Bei der Umbettung Bennos um 1270 hielt man den Griff für den Teil eines Bischofsstabes und montierte ihn als Krümme auf den nachgebildeten Stab. Gemeinsam mit den Gebeinen Bennos gelangte der Hirtenstab 1576 nach München. Heute wird er im Liebfrauendom im Retabelsockel des Benno-Altars aufbewahrt.

KRÜMME: WOHL SCHOTTLAND, ENDE 10. JH., STAB: WOHL UM 1100, BESCHLAG UND FASSUNG: SACHSEN, UM 1270 | MÜNCHEN, METROPOLITAN- UND PFARRKIRCHENSTIFTUNG ZU UNSERER LIEBEN FRAU.

Silberreliquiar des heiligen Benno (Bild 4)

Die Wallfahrt blüht ab 1580 auf. Der Pfarrer der Frauenstiftskirche gibt die Anregung für ein prachtvolles Reliquiar aus Ebenholz mit einer Silberbüste. Spenden des Hofes und der Münchner Bürger tragen zur Finanzierung bei. Die Reliquien sind durch ein Sichtfenster zu sehen. Vom zweiten Stiftspatron, dem heiligen Sixtus, existiert von dem Münchner Goldschmied Hanns Löffler bereits seit 1495 eine solche Büste. Verehrt wird das Benno-Reliquiar am Benno-Altar unterm Benno-Bogen. Auch vom Diözesanpatron, dem heiligen Korbinian, ist ein Kopfreliquiar seit Bischof Wolfram (reg. 926–937) im Freisinger Dom überliefert.

MÜNCHEN, 1599 – 1602, PLASTISCHES WOLKENBAND ERGÄNZUNG DES 18. JH. | MÜNCHEN, METROPOLITAN- UND PFARRKIRCHENSTIFTUNG ZU UNSERER LIEBEN FRAU, ST. BENNO-KAPELLE.

Schildhalter vom Portal der Begräbniskapelle Herzog Georgs von Sachsen im Meißner Dom (Bild 5)

Über den Briefwechsel zwischen dem Bildhauer Adolf Daucher d. Ä. und Herzog Georg ist die Bestellung des Portals der Georgskapelle 1518/1519 gesichert. Der Schildhalter gehörte wohl ähnlich denjenigen am Hauptaltar der Annenkirche in Annaberg-Buchholz mit einem weiteren Schildhalter zum Portalschmuck. Stilistisch lässt er sich mit Prototypen der italienischen Renaissance vergleichen.

HANS DAUCHER UND WERKSTATT ADOLF DAUCHER D.Ä.; AUGSBURG, UM 1520/21; JURA-KALKSTEIN, AUS STEINBRUCH NÄHE SOLNHOFEN, NÖRDLICH VON AUGSBURG | NEW YORK, LENT BY THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART, PURCHASE, GIFTS OF THE HEARST FOUNDATION, ALEXANDER SMITH COCHRAN, MRS. RUSELL SAGE, MR. AND MRS. WILLIAM RANDOLPH HEARST JR., AND BEQUEST OF EMMA A. SHEAFER, BY EXCHANGE, 1999, INV. NR. (1999.29)

Sogenannte Kasel Bischof Bennos II. von Osnabrück (Bild 6)

Die Kasel aus Seidengewebe wird Bischof Benno II. von Osnabrück, einem Zeitgenossen Bennos von Meißen, zugeschrieben. Sie gehört zum feierlichen Ornat eines Bischofs. Der Überlieferung nach schenkte Kaiser Heinrich IV. ihm den Stoff zum Dank dafür, dass dieser ihn als Vermittler bei seinen schwierigen Unterhandlungen mit Papst Gregor VII. nach Canossa begleitet hatte. Möglicherweise gelangte das Gewand noch im 11. Jahrhundert in das von Benno II. gegründete Benediktinerkloster Iburg.

Der Klostertradition nach soll die Kasel 1408 nach einem Kirchenbrand unversehrt im Grab des Klostergründers gefunden und bis zur Auflösung des Konvents von den Mönchen am Jahrestag Bennos II. getragen worden sein. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes erscheint es jedoch zweifelhaft, ob es sich bei der Kasel tatsächlich um das bischöfliche Grabgewand handelt.

BYZANZ, ENDE 11. JH. | DIÖZESANMUSEUM OSNABRÜCK