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Reformations-ABC

Die wichtigsten Begriffe zu Benno und der Reformation

2017 jährt sich die Reformation, die nicht nur die Kirche, sondern die ganze Welt veränderte zum 500-sten Mal. Vieles, das damals geläufig war, ist uns heute fremd. Erfahren Sie deshalb auf dieser Seite alles Wissenswerte zu den prägendsten Personen, bedeutendsten Ereignissen und wichtigsten Begriffen rund um die Reformation – und natürlich auch Benno von Meißen.

Die in Eisenach gelegene Wartburg bot von 1521 bis 1522 dem zu diesem Zeitpunkt für vogelfrei erklärten Martin Luther Schutz und zugleich auch eine Unterkunft. Kurfürst Friedrich III., genannt »der Weise« (gestorben 1525) hatte ihn in einer geheimen Mission dorthin bringen lassen und ein Jahr lang unter dem Decknamen »Junker Jörg« versteckt gehalten. Luther nutzte seine Zeit auf der Wartburg für die Übersetzung des Neuen Testaments der Bibel.

Ein Votivbild ist ein Gemälde, das einen Dank oder eine Bitte an einen Heiligen ausdrückt. In der Regel stellt das Votivbild den Anlass für eben diesen Danks oder die Bitte dar.

Die Vulgata (lateinisch für »im Volk verbreitet«) war die maßgebliche Bibelübersetzung in die lateinische Sprache, die seit der Spätantike Verwendung fand. Das Alte Testament war ursprünglich in Hebräisch und Aramäisch und das Neue Testament in Griechisch verfasst worden. Auf Grundlage der Vulgata übersetzte Martin Luther die Bibel ins Frühneuhochdeutsche. Er war jedoch keineswegs der erste, der die Bibel ins Deutsche übersetzte.

Für »vogelfrei« erklärt zu werden, galt im Mittelalter als eine der höchsten Strafen, die einem Menschen widerfahren konnten. Vogelfreie Menschen waren aus der Gesellschaft verstoßen und von allen Rechten befreit. Sie durften kein Eigentum besitzen und hatten keinerlei Anspruch auf Schutz, konnten demnach auf offener Straße von jedermann ermordet werden, ohne dass der- oder diejenige dafür bestraft worden wäre.

Der sogenannte Thesenanschlag zu Wittenberg, ereignete sich der Legende zufolge am 31. Oktober 1517. An diesem Tag soll Martin Luther 95 schriftlich formulierte Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg angeschlagen haben, um damit seinem Zorn über die Korruption der katholischen Kirche Ausdruck zu verleihen. Ob sich der Vorfall jedoch tatsächlich ereignete, ist historisch gesehen mittlerweile eher kritisch zu bewerten.

Fest steht jedoch, dass Luther mit der Formulierung und Veröffentlichung seiner 95 kritischen Thesen als Theologieprofessor eigentlich nur eine Diskussion über den Ablasshandel und die korrupten Praktiken der Ablassprediger anregen wollte – und zwar in erster Linie unter Akademikern. Seine Thesen verfasste er nämlich auf Latein und schickte sie vorab an Freunde, Bekannte, Kollegen und sogar an den für Wittenberg zuständigen Bischof von Brandenburg. Nicht geplant war jedoch, dass sich die Thesen in ganz Deutschland verbreiteten. Dies geschah aber, als die Schriften zu anderen Druckereien gelangten, dort ins Deutsche übersetzt und anschließend innerhalb weniger Wochen im ganzen Land verteilt wurden.

Eine Sünde ist eine Verletzung der Gesetze Gottes. Wer sündigt, so legen es Theologen aus, weist die Gnade Gottes und seine Liebe zurück. Martin Luther war überzeugt, dass es vor Gott nicht auf die einzelnen Sünden des Menschen ankommt, sondern auf seine Grundeinstellung gegenüber Gott. Die Hauptsünde des Menschen liegt Luthers Ansicht nach deshalb in seinem Unglauben, der immer dann zum Ausdruck kommt, wenn er an Gott zweifelt, stolz und selbstsüchtig ist.

Eine Streitschrift ist ein Schriftstück, in dem sich der Autor mit einem kontroversen Thema befasst und dieses schriftlich debattiert. Der darin verwendete Ton ist überwiegend scharf und kritisch, manchmal auch polemisch. Die Themengebiete, denen sich eine Streitschrift widmet, sind in der Regel Politik, Wissenschaft und Religion. 

Im Schmalkaldischen Krieg, der zwischen 1546 und 1547 stattgefunden hat, standen sich die Truppen von Kaiser Karl V. und den Protestantischen Fürsten des Schmalkaldischen Bundes gegenüber. Karls Ziel war es, die protestantische Bewegung im Reich zu verdrängen und die reformierten Länder und Städte wieder zum Katholizismus zu bekehren.

Die römisch-katholische Kirche kennt insgesamt sieben Sakramente, sogenannte heilige Geheimnisse und Zeichen der Gnade, die von Jesus Christus eingesetzt wurden. Dazu gehören neben der Taufe, die Firmung, die Eucharistie, die Beichte, die Priesterweihe, die Ehe und die Krankensalbung. Die Sakramente werden in drei verschiedene Gruppen aufgeteilt.

In der evangelischen Kirche gelten hingegen nur die Taufe und das Abendmahl als Sakrament. Begründet wird dies seit der Reformation mit der Tatsache, dass Jesus in der Bibel seine Jünger nur ausdrücklich mit der Weitergabe dieser beiden beauftragt. 

In den meisten Fällen sind Reliquien körperliche Überreste, wie zum Beispiel Knochen oder Haare, manchmal aber auch persönliche Besitzgegenstände von Personen, die nach ihrem Tod heiliggesprochen wurden. Als Andenken an den jeweiligen Heiligen dienen Reliquien vor allem der religiösen Verehrung.

Der offizielle Beginn der Reformation wird in Deutschland auf den 31. Oktober 1517 datiert, dem Tag also, an dem Martin Luther 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben soll, um seinem Unmut über die katholische Kirche Ausdruck zu verleihen. Allerdings liegen die Ursprünge der Reformation bereits in den Jahrzehnten zuvor. Einer alten Definition des Begriffs nach steht Reformation für Erneuerung, geistige Umgestaltung und Verbesserung – und genau das waren auch Luthers Ziele in Bezug auf die Kirche.

Er kämpfte gegen die Korruption und Bereicherung des Klerus und setzte sich unter anderem für eine allgemeine und standesunabhängige Bildung ein. Die Menschen sollten lesen lernen, um die Bibel für sich selbst auslegen zu können. Keinesfalls hatte Luther hingegen im Sinn, die katholische Kirche zu spalten oder eine neue Kirche zu gründen. Darüber hinaus wirkten sich die Umwälzungen der Reformation, die 1525 in Kursachsen und 1539 im Herzogtum Sachsen offiziell eingeführt worden war, auch tiefgreifend auf die gesellschaftlichen Zustände, auf Politik, Bildung, Kultur und Wirtschaft aus.

Ähnlich wie schon beim Begriff »evangelisch« bürgerte sich auch die Bezeichnung »protestantisch« erst Jahrhunderte nach der Reformation ein. Ihren Ursprung hat sie dennoch im 16. Jahrhundert und geht auf die Ereignisse während des Reichstags von Speyer (1526) zurück. Dort protestierten die die Reformation unterstützenden Landesfürsten und Reichsstädte gegen den Plan, mit einem Mehrheitsentscheid darüber zu entschieden, welche Glaubensrichtung fortan als die allgemein gültige gelten sollte.

Als eine Pilgerfahrt wird im religiösen Sinne eine Wanderung in die Fremde verstanden, die aus religiösen Gründen stattfindet. Ziel einer solchen Wallfahrt ist in den meisten Fällen ein bestimmter Pilgerort, mit einer besonderen religiösen Bedeutung. Beliebte Pilgerorte sind  beispielsweise die Grabeskirche in Jerusalem oder der Petersdom in Rom. Grund für eine Wall- oder Pilgerfahrt kann zum Beispiel die Abbüßung der eigenen Sünden, Selbstfindung oder religiöse Besinnung sein.

In der katholischen Kirchenlehre ist der Papst der Nachfolger des Apostels Petrus, dem ersten Bischof von Rom, den Jesus der Bibel zufolge mit der Erbauung der Kirche beauftragt hat. Auf die überlieferte Sonderstellung Petrus‘ unter den zwölf Aposteln gründet sich auch die Sonderstellung des Papstes.

Die Mitra, griechisch für Stirnbinde, ist bis heute die traditionelle Kopfbedeckung von Bischöfen, die diese vor allem bei offiziellen Amtshandlungen tragen.

Der Mönch, Theologe und Reformator Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben als Sohn eines Kupferbergbauers geboren. Auf Wunsch seines Vaters schlug Luther zunächst eine juristische Laufbahn ein. Als er im Sommer 1505 allerdings in ein schweres Gewitter geriet, hatte er so große Angst von einem Blitz erschlagen zu werden, dass er schwor Mönch zu werden, sollte er das Unwetter unversehrt überstehen.

Luther kam heil davon und hielt sein Versprechen ein. Als Theologe beschäftigte ihn in erster Linie die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes. Die tiefe Auseinandersetzung mit der Thematik brachte ihn letztendlich dazu, das gesamte Kirchensystem zu hinterfragen.

Als Liturgie (griechisch »leitourgía« = öffentlicher Dienst) wird der öffentliche Gottesdienst in der katholischen Kirche bezeichnet.

Es gibt zahlreiche Legenden über Bischof Benno von Meißen. Die wohl bekannteste unter ihnen ist die vom Schlüssel und Fisch: Als Benno nach einem Streit mit König Heinrich IV. als Bischof von Meißen abgesetzt wurde und den Dom daraufhin verlassen musste, schloss er diesen ab und schmiss den Schlüssel in der Elbe. Nachdem Benno seinen Streit mit dem König nach einiger Zeit beigelegt hatte, wurde er begnadigt und durfte nach Meißen zurückkehren. Auf dem Weg dorthin, machte er Rast an einem Gasthof. Zum Essen wurde ihm dort ein frisch gefangener Fisch serviert. Als Benno zu essen begann, fand er im Inneren des Fisches den Schlüssel zum Meißner Dom wieder, den er eins selbst in die Elbe geworfen hatte.

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Kirche des Christentums. Ihr zentrales Element ist die kirchliche Hierarchie mit dem Papst als oberstem Kirchenoberhaupt.

Die christliche Heiligsprechung ist fast so alt wie das Christentum selbst, findet jedoch, wie die Heiligsprechung von Mutter Teresa zeigt, bis heute statt. Bevor ein Mensch allerdings heiliggesprochen werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden: Zum einen muss eine weitrechende Verehrung durch andere gläubige Christen bestehen und zum anderen mindestens zwei zu Lebzeiten bewirkte Wunder nachweislich erbracht worden sein. Die Legende vom Schlüssel und Fisch gilt zum Beispiel als Beweis für ein vom Heiligen Benno vollbrachtes Wunder.

Kein Mensch wird heilig geboren. Es gibt jedoch Menschen, die durch einen besonderen Lebenswandel nach ihrem Tod heiliggesprochen worden sind. Diese Menschen standen zeitlebens Gott sehr nahe, das heißt, sie führten ein besonders frommes und vorbildliches Leben, verkündeten Gottes Botschaft und setzten sich stets für Kranke und Benachteiligte Mitmenschen ein.

Mit der Einführung der Reformation wurden in vielen Städten alle bestehenden kirchlichen Stiftungen zu einer Kasse zusammengefasst, diese nannte man Gemeinen Kasten. Daraus sollten alle Ausgaben für die Pfarrer, die Kirchgebäude, das Schulwesen und die Armenfürsorge bestritten werden. Alle Gemeindemitglieder hatten eine jährliche Abgabe an den Gemeinen Kasten zu entrichten.

Im Mittelalter war der Glaube an das Fegefeuer präsenter denn je und wurde von der Kirche tatkräftig unterstützt – nicht zuletzt um den Ablasshandel voran zu treiben. Das Fegefeuer wurde als eine Art zeitlicher Zwischenraum verstanden, in dem die Menschenseele für all ihre irdischen Vergehen büßen und sich reinigen musste, bevor es ihr gewährt wurde in den Himmel aufzusteigen. Mit Gebeten und vor allem dem Kauf von Ablassbriefen konnte man diese Zeit allerdings verkürzen. Für sich im Voraus, aber auch für verstorbene Angehörige.

Die Exkommunikation oder der Kirchenbann konnte vom Papst über Gläubige verhängt werden, die sich einer schweren Straftat gegenüber der Kirche schuldig gemacht hatten. Es konnte einfache Bürger ebenso treffen wie Könige und Kaiser oder sogar ganze Landstriche (Interdikt). Die Exkommunikation bedeutete den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen und unterband zum Beispiel die Teilnahme an Gottesdiensten oder ein christliches Begräbnis. Bischof Benno wurde ebenso vom Kirchenbann getroffen wie später Martin Luther.

»Evangelisch« als Bezeichnung für eine Konfessionszugehörigkeit wird erst seit dem 18. Jahrhundert verwendet. Für die Reformatoren bedeutete der Begriff einfach so viel wie »christlich«. Für Luther persönlich schloss evangelisch zu sein alles ein, was mit dem Evangelium in Einklang steht. Luther lehnte es allerdings strikt ab, den Begriff zu politisieren und im Kontext der Kirchenspaltung zu benutzen.

Diözese ist ein anderer Begriff für Bistum und bezeichnet den bischöflichen Amtsbereich. Der Bischof steht der Diözese vor. Mehrere Diözesen oder Bistümer bilden eine Erzdiözese bzw. Erzbistum. Die Diözese Meißen lag im Mittelalter am Rand des Reiches und war nur dünn besiedelt.

Als Bildersturm bezeichnet man die Beseitigung und teilweise Zerstörung heiliger Kunstwerke oder Denkmäler der eigenen Religion. Auf Weisung evangelischer Theologen fanden während der Reformationszeit in vielen Kirchen Bilderstürme statt. Sie richteten sich insbesondere gegen Heiligenmonumente. So wurde im Meissner Dom unter anderem das Benno-Grabmal zerstört. Auf diese Weise gingen viele mittelalterliche Kunstwerke unwiederbringlich verloren.

Der Bischof ist das geistliche Oberhaupt eines Bistums, das zumeist viele lokale Gemeinden umfasst. Bischöfe gelten als Nachfolger der Apostel. Bei der Bischofsweihe erhielten die Bischöfe im Mittelalter die Mitra als Kopfbedeckung sowie Ring und Hirtenstab als Insignien.

Buße steht im Christentum für den Prozess, den ein Mensch durchlaufen muss, um von seinen Sünden befreit zu werden. Buße beschreibt somit den Weg vom Schuldeingeständnis über die Reue bis hin zur Abkehr vom bisherigen Lebenswandel und der damit einhergehenden Hinwendung zu einer frommeren Lebensweise.

Wie wäre es, wenn man jedes begangene Fehlverhalten im Leben, ganz egal wie schwerwiegend, durch Geld gut machen könnte? Im Mittelalter war das nicht nur möglich, sondern gängige Praxis. Durch den Kauf eines sogenannten Ablassbriefes konnten gläubige Christen sich sprichwörtlich von ihren Sünden frei kaufen. Verkauft wurden die Ablassbriefe von Ablasspredigern, die vom Papst persönlich mit dem Handel beauftragten waren. Mit den Worten »Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!« soll zum Beispiel der Dominikaner Johannes Tetzel (gestorben 1519) für den Ablasshandel geworben haben.

Der Ablasshandel war einer der Hauptkritikpunkte in Martin Luthers berühmten 95 Thesen, die als Auslöser der Reformation gelten.